Angedockt und aufgefächert
- Autorin: Ruth Haller
- Fotos: BTTR GmbH, Pablo Castagnola
Zentral zwischen Wasserzugang und Stadtsicht ragt ein geschwungen geformter, markant abgerundeter Bau ins Berliner Stadtbild. Das unter dem Namen „WAVE – Waterside Living“ bekannte Objekt erinnert an ein großes weißes Schiff, festverankert in der Stadtlandschaft.

Auf dem Areal des ehemaligen Osthafengeländes errichtet und zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke gelegen, steht das Bauwerk am Knotenpunkt der Bezirke Kreuzberg, Friedrichshain und Treptow. Die Lage zwischen Rummelsburger Bucht und Treptower Park ist urban und bietet gleichzeitig Naturbezüge, in der näheren Umgebung sind die East Side Gallery sowie die Mercedes-Benz-Arena zu finden. Geprägt ist die mittlerweile weitestgehend bebaute Uferzone mehrheitlich von Bürogebäuden, Unternehmen wie Coca-Cola, Universal und Zalando befinden sich in der Nachbarschaft. Die Wassersicht gibt den Blick auf das prominente Wahrzeichen „Molecule Men“ frei, eine hohe Metallskulptur als Symbol der Einheit an einer Nahtstelle des ehemaligen Ost- und Westberlins inmitten der Spree.
Das insgesamt mehr als 9.700 m² große Doppelgrundstück befindet sich an der Stralauer Allee 13/14. Zwei siebenstöckige Neubauten, die als autarke Gebäude jeweils mit Tiefgarage ausgestattet sind, werden als reine Wohnanlage genutzt. Nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit ist der als Stahlbetonkonstruktion errichtete Neubau 2019 fertiggestellt worden.
Das Projekt durchzieht komplett und konsequent die Thematik des Wassers.
GRAFT Architekten
Das von GRAFT Architekten aus Berlin konzipierte Projekt durchzieht komplett und konsequent die Thematik des Wassers. Vom offensichtlichen Namen über die geschwungene Gebäudeform bis hin zum subtilsten Baddetail wird das konzeptionelle Leitbild aufgegriffen und spielerisch eingesetzt. Die örtlichen Qualitäten der besonderen Wasserlage führten bereits im Entwurf zu einer maritimen Assoziationskette, der Begriff des „Ocean-Liners“ war formgebend.

Die beiden U-förmig aufgebrochenen Gebäudeblöcke öffnen sich zum Wasser nach Süden hin und wirken zusammen als eine geschwungene Baukörperskulptur. Die linienhafte Optik unterstreichen die umgehenden Balkone mit ihren horizontalen Verstrebungen. Die Brüstung erinnert an eine Reling, die wie bei einem Schiff die Kubatur geschossweise umläuft. Das Ensemble aus der Luft oder in der Grundrissgeometrie betrachtet, lässt eine abstrakt liegende Drei erkennen. Das wellenförmig verlängerte Fassadenband ermöglicht zwei Drittel der Wohnungen einen Wasserblick mit Südausrichtung.

Die Öffnung des Baublocks gewährt zudem eine breitere öffentliche Nutzung an der Spreeuferzone. Die lange Promenade weitet sich hier zu einer Platzfläche und bietet eine Art „Verweillandschaft“. Die beiden Tiefgaragensockel sind aufgrund des Grundwasserlevels nur halb eingegraben und werden landschaftlich von einer terrassierten Grünanlage mit Rampen und Treppenzugängen überspielt. So wird der Übergang zwischen öffentlichen und privateren Bereichen abgestuft.
Ein hauseigener Bootssteg als Anlegestelle mit Liegeplätzen bietet den Bewohnern die Möglichkeit, sogar mit dem Boot vorzufahren. Für die üblichen Fortbewegungsmittel wie Auto und Fahrrad gibt es, zusätzlich zu den zwei Tiefgaragen, zahlreiche Außenpark- und Stellmöglichkeiten.

Zur städtischen Nordseite akzentuiert sich die Front mit auskragenden Erkern und kantigen Balkonen in die Straßenflucht, die Blickbezüge zum Berliner Fernsehturm Richtung Sonnenuntergang freigeben. Die als WDVS ausgeführte, strahlend weiß verputzte Fassade zieht sich um die gesamte Gebäudekubatur. Die Formsprache verändert sich dabei umlaufend: An der Fassade spiegelt sich einerseits die Nähe zum Wasser mit runden und weichen Elementen und andererseits die Stadt mit spitzen und kantigen Winkeln. Die Fensterbänder folgen mit ihren gebogenen Rundungen dem Fassadenverlauf. Die dreifachverglasten Holz-Panoramafenster sind zusätzlich zu getönten Scheiben für den Sonnenschutz mit Senkrechtmarkisen ausgerüstet.
Die Formensprache verändert sich umlaufend: An der Fassade spiegelt sich einerseits die Nähe zum Wasser mit runden, weichen Elementen und andererseits die Stadt mit spitzen, kantigen Winkeln.
GRAFT Architekten
Als „fünfte Fassade“ ist die gesamte Dachfläche angelegt. Die für die komplette Hausgemeinschaft begeh- und erlebbare Dachlandschaft wurde 2020 mit der Bepflanzung komplettiert. Steinplattenwege führen zu Holzdecks, die wie private Inseln zwischen Sandspielkästen und angelegten Hecken liegen.
Insgesamt 161 Wohnungen verteilen sich auf einer Nutzfläche von
13.000 m². Die Wohneinheiten gliedern sich in drei Wohnungstypen: kleine Apartments, Zwei- bis Fünf-Zimmer-Flats sowie große Penthouses. Die Wohnungsgrößen reichen von ungefähr 26 bis 296 m² und bieten dadurch die Grundlage für eine vielfältige Bewohnerschaft.
Die meisten Wohneinheiten verfügen über Erker und Balkone unterschiedlichster Ausrichtung. Im Hochparterre sind die Wohnungen mit kleinen privaten Gärten ausgestattet. Im Dachgeschoss sind großzügige Penthouses zwischen 200 und 300 m² mit direkten Zugängen zu privaten Dachgärten angesiedelt.

Bei Raumhöhen von circa 2,70 m ließ der Innenausbau, von der Firma minimum ausgearbeitet, individuelle Möblierungskonzepte und passende Einrichtungskonfigurationen zu. Die außen charakteristisch prägenden Architekturmerkmale werden in den Innenräumen aufgegriffen und in designreiche Details übersetzt. So ziehen sich geschwungene Radien von den Balkonen bis in die Badezimmer fort. Die Ausstattung prägen dabei durchweg hochwertige Produkte, darunter auch TECE-Sanitärlösungen. Verbaut wurden unter anderem die WC-Betätigungsplatte TECEnow, welche sich in Weiß mit ihrer klaren Form und dem extraflachen Aufbau passend in das Gesamtkonzept einfügt.
Wasser als formgebendes Motiv zieht sich beim Projekt WAVE außen wie innen stringent durch und ist thematisch bis ins Detail durchdacht. Das Ensemble wirkt als Gesamtkomposition abstrakt losgelöst und zugleich verortet, bildet dynamische Kontraste und fügt sich ebenso gekonnt ein.
Drei Fragen an…

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen GRAFT Architekten und dem Bauherrn Bauwerk Capital bei WAVE Berlin abgelaufen?
Im Planungsprozess gab es zunächst einen Bauherrenwechsel. Bauwerk Capital hat den Grundstückserwerb mit dem bewilligten Bauantrag übernommen. Dieser Bauherr ist ein echter Profi und Könner – er baut „signature buildings“. Danach gab es in der Planung eine Optimierungsrunde mit einem Feinschliff, bei dem auch die Grundrisse noch ein wenig angepasst wurden. Es war eine sehr nachhaltige Zusammenarbeit, die wir gerne wiederholen würden. Das Interessante ist, dass einer der beiden Entwicklervorstände früher selbst Architekt war und somit einen Zugang zur Wertigkeit von Architektur hat.
Gab es auch mit anderen Projektbeteiligten einen regen Austausch und warum ist ein integrativer Planungsansatz erfolgversprechend?
Die Entwicklung eines Projekts ist eine sehr lange Reise. Eine von Beginn an gute Kommunikation und Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und Experten schafft sowohl Planungs- als auch Kostensicherheit. Aufgrund der Lage am Wasser und im Hinblick auf die Herrichtung des Uferweges für die Öffentlichkeit standen wir bei WAVE deshalb auch mit den Statikern (Buro Happold) und den Landschaftsplanern (KreTa Landschaftsarchitekten) in engem Kontakt.
Das Projekt wurde u. a. mit dem MIPIM Award 2020 in der Kategorie „best residential development“ prämiert – was bedeutet dieser Preis für Sie?
Diese Auszeichnung ist wie ein Ritterschlag, da sie weltweit der wichtigste Preis für Entwickler ist. Der Award wird im Zuge der MIPIM, der größten Immobilienmesse, in Cannes vergeben. Es wird der gesamte Bauprozess betrachtet und darunter als eine Komponente auch die Architekturqualität. Wir sind wir sehr stolz auf diese Auszeichnung. Zudem zeigt es auch anderen potenziellen Bauherren, nicht nur Architekturkollegen, dass dieses Projekt rundum gelungen ist.
Architekt
GRAFT Architekten, Berlin (DE)
www.graftlab.com
Projekte
2017 Schierker Feuerstein Arena
2019 Jugendherberge München
2019 Trillux Licht Campus
2020 BRICKS Berlin Schöneberg
2021 Air Taxi VoloPort
WAVE Berlin
GRAFT Architekten
GRAFT wurde 1998 von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit in Los Angeles gegründet und arbeitet seither weltweit in den Bereichen Architektur, Stadtentwicklung, Design und Kommunikation. Das „hybrid office“ mit weiteren Standorten in Berlin und Shanghai zeichnet sich durch seine experimentierfreudige Entwurfspraktik und innovative Formensprache aus. Insgesamt beschäftigt GRAFT rund 100 Mitarbeiter auf drei Kontinenten. Neben der Bearbeitung von klassischen Planungsaufgaben für Wohnhäuser, Hotel-, Gesundheits-, Gewerbe- und Kulturbauten initiieren die GRAFT-Gründer auch sozial nachhaltige Projekte wie Make it Right, Solarkiosk und Heimat2.