Fachreportage

Study Aparts, Berlin
LECHNER GROUP

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Kollaboratives Planen und modulares Bauen für 420 Studienapartments

  • Autorin: Tiemo Krause
  • Fotos: Studentkompanie Projektentwicklung GmbH, Matthias Ibeler

Ohne kostengünstige Bauweise kein kostengünstiger Wohnraum. Diese einfache Formel macht es aber gerade auf dem angespannten Immobilienmarkt – und damit vergleichsweise teuren Baugrund von Berlin – schwer, Studierenden bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Die Central Berlin Wohnen GmbH hat jedoch einen Weg gefunden, der perspektivisch richtungsweisend sein dürfte: Studien-apartments aus vorgefertigten Stahlbeton-Raummodulen, komplett ausgestattet bis hin zur Haustechnik- und Sanitärinstallation. Die Vorfertigungsmethode mit dem Bausystem LechnerCube sparte aber nicht nur Kosten, sondern gleichzeitig (Bau-)Zeit.

Berlin ist beliebt – auch um zu studieren. Rund 200.000 Menschen sind an den 40 Hochschulen Berlins eingeschrieben und stehen damit in direktem Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum. Vor diesem Hintergrund gab die Central Berlin Wohnen GmbH 2019 den Bau von 420 neuen Studien-apartments in Berlin-Reinickendorf in Auftrag. Entstanden ist ein Objekt, das nicht nur Lebensraum, sondern auch Lehrmaterial für das wirtschaftliche Bauen der Zukunft bietet.

In Modulen bauen – das Projekt und die Vorteile

In beeindruckender Geschwindigkeit ist das fünfgeschossige Studenten-wohnheim an der Von-der-Gablentz-Straße in die Breite und in die Höhe gewachsen. Vom Spatenstich bis zum Bezug vergingen nur 13 Monate, sodass die Ein-Zimmer-Apartments (19 bis 35 m²) des „Study Aparts Berlin“ mit einer Bruttogeschossfläche von 15.605 m² bereits im Oktober 2020 erste Bewohner fanden. Möglich war das mit einer innovativen Bauweise, die der Generalübernehmer des Berliner Studentenwohnheims, die Lechner Projectbau GmbH, als „LechnerCube“ oder „Modulares Bauen 4.0“ bezeichnet.

Die „Study Aparts Berlin“ bieten 420 kostengünstige Einraumwohnungen, vornehmlich für Studierende. Die Bauweise aus vorgefertigten Raummodulen ermöglichte eine Bauzeit von lediglich 13 Monaten.
Die „Study Aparts Berlin“ bieten 420 kostengünstige Einraumwohnungen, vornehmlich für Studierende. Die Bauweise aus vorgefertigten Raummodulen ermöglichte eine Bauzeit von lediglich 13 Monaten.

Jedes Raummodul, das ein Apartment bildet, wurde in der Deutschen Modulhausfabrik (DMF), die ebenfalls zur Lechner Unternehmensgruppe gehört, gefertigt und bezugsfertig ausgestattet. So wird ein Vorfertigungsgrad von über 90 Prozent erreicht. Die Bauzeit reduziert sich im Vergleich zu konventionellem Massivbau je nach Objekt um bis zu 50 Prozent. Christian Hanisch, Ingenieur und Technischer Projektleiter der Lechner Group, erklärt den Hintergrund für diesen großen Zeitgewinn: „Mit dem Erstellen der Fundamente haben wir zeitgleich die Fertigung der Raummodule in der Fabrik gestartet. Das Erdgeschoss und die Teilunterkellerung wurden in serieller Bauweise aus Fertigbetonteilen plus Massivbau errichtet. Sobald das Erdgeschoss fertiggestellt war, rollten schon die LKW an, sodass wir ohne Zeitverzug die Raummodule geschossweise montieren konnten.“

Die Raummodule wurden in der Deutschen Modulhausfabrik aus einem Stück betoniert. Die vorgesetzte Stirnseite enthält Aussparungen für die Verbindung der Steigleitungen auf der Baustelle sowie für den Eingang.
Die Raummodule wurden in der Deutschen Modulhausfabrik aus einem Stück betoniert. Die vorgesetzte Stirnseite enthält Aussparungen für die Verbindung der Steigleitungen auf der Baustelle sowie für den Eingang.

„Mit dem Erstellen der Fundamente haben wir zeitgleich die Fertigung der Raummodule in der Fabrik gestartet.“

Christian Hanisch, Ingenieur und Technischer Projektleiter der LECHNER GROUP

In Modulen denken

Neben dem zeitlichen Gewinn sieht Christian Hanisch in der Modulbauweise in jeder Hinsicht deutliche Qualitätsvorteile: „Durch den hohen Vorfertigungsgrad im Werk statt auf der Baustelle werden deutlich engere Toleranzen eingehalten. Außerdem muss die Planung bereits zum Baubeginn nahezu vollständig abgeschlossen sein. Somit entstehen keine umfangreichen Nachtragskosten, und das gesamte Projekt bleibt im kalkulierten Rahmen.“ Für die „Study Aparts Berlin“ belaufen sich die Bau- und Planungskosten auf rund 30 Mio. Euro brutto.

Hier ist zu sehen, wie  Sanitärvorwände von TECE installiert werden.
Die Register der Sanitärvorwände wurden von TECE just in time zur Montage in die Deutsche Modulhausfabrik geliefert. Vorher erhielten die Lechner-Installateure eine Schulung, was den reibungslosen Fertigungsablauf absicherte.

Für die Modulbauweise ist damit eine konsequente integrale Planung also wesentliche Voraussetzung. Das wird besonders am Beispiel der Haustechnik deutlich. Die Belegung der Steigschächte und Rohrleitungsdimensionierung für Trinkwasser, Heizung, Lüftung und Abwasser musste definitiv feststehen, bevor die Raummodule gegossen wurden, um die entsprechenden Durchführungen vorzusehen. Hier kooperierte Lechner sehr eng mit Hersteller TECE. Das auf Sanitärtechnik spezialisierte Unternehmen aus Emsdetten wurde schon in der
frühen Planungsphase mit in die Projektierung eingebunden. Die Architekturplanung übernahm die IHT Planungsgesellschaft mbH, Mühltal.

„Durch den hohen Vorfertigungsgrad im Werk statt auf der Baustelle werden deutlich engere Toleranzen eingehalten. “

Christian Hanisch, Ingenieur und Technischer Projektleiter der LECHNER GROUP
Jedes Raummodul ist ein bereits komplett ausgestattetes Apartment. Pro Team werden etwa vier Module pro Tag installiert.
Jedes Raummodul ist ein bereits komplett ausgestattetes Apartment. Pro Team werden etwa vier Module pro Tag installiert.

Hauptverteilung und Steigleitungen wurden dann aus Edelstahl installiert. Vom Hausanschluss bis ins Erdgeschoss ist die Verteilung für Trinkwasser, kalt, in DN 28 ausgeführt, vom ersten Obergeschoss bis ins fünfte in DN 22. Die Steigleitungen für Trinkwasser, warm, sind durchgehend in DN 22 installiert, die Anbindung der Raummodule und Verteilung im Bad und in der Küchenzeile in DN 18. Schlanker geht es kaum, denn gleichzeitig soll ja auch der Versorgungskomfort gewährleistet bleiben.

Die frühzeitige Festlegung auf die Rohrdimensionen, die Materialien und die Belegung der Schächte machten die gesamte Installation auch abnahmesicher beim Brandschutz. „Insbesondere die Abschottung der Deckendurchführungen ist immer ein Thema. Aber durch die vorgefertigten TECEsystem-Module hatten wir hierfür alle erforderlichen Prüfzeugnisse und Bauartgenehmigungen zur Hand, sodass die Abnahme absolut reibungslos verlief“, erzählt Christian Hanisch zufrieden.

Für die etagenweise Verbindung der Steigleitungen sind an den Stirnseiten der einzelnen Raummodule zum Flur hin Montageöffnungen ausgespart (später nicht mehr zu erkennen). In den Apartments verlaufen die Rohrleitungen hinter Sanitärvorwänden. So konnten die Installations-schächte ebenfalls als Teil der Raummodule vorgefertigt werden.

Kompakte Lösung: Die vorgefertigten Sanitärwände von TECEsystem bieten eine ideale Raumnutzung, da sie im Duschbereich als raumhohe Vorwand auch als Versorgungsschacht dienen. Maßstab 1 : 200
Kompakte Lösung: Die vorgefertigten Sanitärwände von TECEsystem bieten eine ideale Raumnutzung, da sie im Duschbereich als raumhohe Vorwand auch als Versorgungsschacht dienen. Maßstab 1 : 200

Für Module konzipieren – die Sanitärvorwand

Für die Sanitärinstallation in den Raummodulen konstruierte und lieferte TECE die werksseitig vorgefertigten Register. Auch hier war die frühe, kollaborative Planung mit dem Architekten und Fachplanern wesentlich für einen reibungslosen Fertigungsprozess: Da alle Stahlbeton-Raummodule industriell produziert wurden, blieben die Maße in so engen Toleranzen, dass auch die Register immer identisch gefertigt werden konnten. Zur Abstimmung mit der Deutschen Modulhausfabrik lieferte TECE dabei 3D-Zeichnungen der Vorwände inklusive Schachtbelegung.

Für das Musterbad wurde die Sanitärlösung im ersten Schritt in einem Raummodul direkt im Betonwerk montiert und dem Bauherrn vorgestellt. So bekamen die Entscheider auch einen Eindruck von Raumdimensionen und Ausstattungsqualität.

Bei der anschließenden Serienfertigung sind die Vorwände selbst aus dem TECEprofil aufgebaut und für den Transport sowie zur einfacheren Installation in drei Elemente unterteilt worden: in ein bis zur Decke reichendes Register, das als Wand zwischen Duschkabine und Schacht dient, ein raumhohes Element mit Installation der Duscharmatur sowie ein halbhohes Register, in das die TECE-Befestigungselemente für Waschtisch und WC integriert sind. Die angrenzende Küchenzeile ist mit einer Trockenbauwand abgetrennt und als Reiheninstallation angeschlossen. An der Schachtseite nimmt die Vorwand jetzt dank des kompakten TECEsystems inklusive Beplankung nur 275 mm Raum ein, an der Seite mit Waschtisch und WC sind es nur 210 mm.


Drei Fragen an…

Architekt, Fachplaner und TECE haben bereits in der Planungsphase der Study Aparts sehr eng zusammengearbeitet. Welche Vorteile hatte das im Hinblick auf das Sanitärkonzept?

Holger Pötzsch: Wir haben die Strangschemata mit unseren Systemkomponenten abgeglichen und angepasst. So konnten wir etwa die Rohrleitungsdimensionen mit Blick auf den Erhalt der Trinkwasserhygiene optimieren. Denn geringere Rohrleitungsdurchmesser in Verbindung mit einer idealen Hydraulik verbessern den regelmäßigen Wasseraustausch im System. Und das reduziert das Verkeimungsrisiko durch Stagnation bzw. unzureichende Durchströmung.

Inwiefern konnte durch den stetigen Dialog auch das konstruktionsbedingte Zusammenspiel zwischen Raummodul und Sanitärvorwand optimiert werden?

Holger Pötzsch: Bei Objekten in der Größenordnung dieses Studentenwohnheims mit 420 Bädern sind bei konventioneller Bauweise viele Varianten an Vorwänden erforderlich – allein schon aufgrund maßlicher Abweichungen in den Wohneinheiten. Doch durch den intensiven Austausch mit allen Planungsbeteiligten ist es uns gelungen, mit nur zwei Vorwandausführungen zu operieren, von denen die zweite zudem lediglich spiegel-verkehrt konstruiert ist.

Von der Fertigung der vorinstallierten Register bis zur Montage vergingen nur wenige Wochen. Wie gelang es, die enge Taktung der „Fließbandfertigung“ einzuhalten?

Daniel Kobold: Die industrielle Vorfertigung stellt höhere Anforderungen an die Registerfertigung als bei der Anlieferung auf einer Baustelle. Aber das war kein Problem, da für uns solche Auf­gabenstellungen nicht neu sind. Zum reibungslosen Ablauf beigetragen hat nicht zuletzt auch eine Schulung der Lechner-Monteure durch TECE. So kamen zeit- und maßgenau die fertigen Raummodule vom Band auf die Baustelle und dort in die Hände von Fachkräften, die genauso fließend die Feininstallation vornahmen.

Generalunternehmer
Lechner Projectbau GmbH
www.lechner-cube.de

Projekte (Auswahl)
VERVE, Frankfurt
Studentenwohnheim Prenzlauer Promenade, Berlin
Studentenwohnheim Rhinstraße, Berlin
Wohnprojekt am Brandlberg, Regensburg

PROJEKTENTWICKLUNG

LECHNER GROUP

Die LECHNER GROUP ist eine traditionell mittelständische Unternehmens-gruppe, in vierter Generation eigentümergeführt, mit einer mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1904 als Bauunternehmen in Uehlfeld/Aisch, Mittelfranken (Nähe Erlangen). Im Lauf der Jahrzehnte haben sich verschiedene Tätigkeitsfelder erschlossen und herausgebildet. Die Gruppe mit rund 500 Mitarbeitern im Kernbereich gliedert sich in die Unternehmensbereiche: schlüsselfertiges Bauen, Projektentwicklung/Projektmanagement, Baustoffwerke und Fertigteilwerke. Regional ist die LECHNER GROUP schwerpunktmäßig in Süd- und Ostdeutschland aktiv, international in Polen, Tschechien, Lettland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Österreich und in der Schweiz.

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